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15.02.09

Uptown Freiburg im Breisgau

Ich war auf der IKF - das ist die Internationale Kulturbörse Freiburg.

Ja, so was gibt's: eine Kulturbörse. Eine Riesenveranstaltung in riesigen Hallen auf dem riesigen Messegelände. Kultur ist ein Riesenmarkt!
Kunterbunte Menschen in Masken, mit Stelzen oder eigentümlichen Fahrzeugen bevölkern das Foyer, Artisten  hängen zwischendurch von der Decke und Pyromanen, nein nicht Pyromanen - Pyro-Künstler spielen und tanzen und musizieren mit Feuer und Agenturen bieten an ihren Ständen ihre Künstler feil.

Ich hab ja z. Zt. keine Agentur, also bot ich mich selber feil an meinem tollen Stand. Das heißt, ich teilte mir mein Standl mit der Kollegin Martina Ottmann, wegen der Kosten. Und mein Mann war auch dabei, zur moralischen und zur praktischen Unterstützung.  
Aber das Wichtigste: Ich hatte einen Kurzauftritt im großen Saal. Drei Tage lang zeigen Künstler Ausschnitte aus ihrem Programm.
Um das tun zu dürfen, muss man sich bewerben und wenn's klappt, muss man bezahlen damit man spielen darf, und die Messebesucher zahlen auch, und die Standl kosten auch noch was. Trotzdem hat mir´s direkt Spaß gemacht zu spielen, was auch nicht selbstverständlich ist, morgens um 11 Uhr 30. Und das Publikum war auch schon lachbereit und amüsierwillig, was auch nicht selbstverständlich ist.

Ich hab mir zwischendurch Auftritte von Kollegen angeschaut und war Zeugin, wie ein Künstler nach 12 Minuten entnervt von der Bühne ging, obwohl er 25 Minuten hätte spielen dürfen. Das Publikum hatte seine Kunst mit eisigem Schweigen quittiert. So was träumt man gewöhnlich nur und wacht dann schweißgebadet auf. Aber auch ganz wunderbare Auftritte von ganz wunderbaren Kollegen habe ich gesehn.

Mein Publikum hat sich gefreut, und jetzt warte ich neben dem Telefon mit gezücktem Bleistift und Terminkalender auf  die vielen  Anrufe und Mails der  Kleinkunstbühnen und Kulturveranstalter, die mich engagieren wollen. Und auf den Anruf der Agenturen, die mich und meine Interessen unbedingt gerne vertreten wollen.

Ich mag nicht selber erklären und beschreiben müssen, was ich da so mach - das können andre besser.

Eine originelle Definition meiner Arbeit habe ich dort auf der Börse beim Kaffeetrinken zu hören bekommen: Drei Damen, offensichtlich Veranstalterinnen, saßen am Nebentisch, blätterten den Börsen-Katalog  durch und gaben nur ungute Kommentare ab. Doch erstaunlich, plötzlich höre ich von der Einen Positives: „Die war gut, die war gut"  und sie tippt tatsächlich mit dem Finger  auf ein Foto von mir. „Was macht die denn?" fragt die Andre und die Eine erwidert: " Kabarett - die macht Kabarett" Darauf die Andre wieder "Ja was für eines?" und die Eine: "Ja so normal, ohne Orgasmus und Geschrei."

Wär das nicht  ein guter Programmtitel:

NORMAL - ohne Orgasmus und Geschrei 


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