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02.07.2008

Warum ich heut nach Fürholzen gefahren bin....

Ich fahr nicht gern Auto. In der Stadt fahr ich besonders nicht gern Auto. Ich wohn auf dem Land. Unser Ort hat drei Höfe, der mittlere ist unserer. Ich bin Kabarettistin und das heißt viel herumfahren müssen. Ich kann ja nicht erwarten, dass die Leut zu mir kommen, nein ich muss dorthin, wo die Leut sind, mal da mal dort.

Heut war ich nicht wegen einem Auftritt unterwegs. Nein, ich hab mich in München mit der Anette Spola und einer Regisseurin getroffen. Für das TamS schreib ich grad ein Theaterstückl. Ich hab Passagen draus vorgelesen und wir haben mal geschaut, ob das was werden könnte mit uns. Es wär gut, wenn's was werden könnt mit uns, weil der Premierntermin schon feststeht: 8. Oktober 08

Mein Auto hab ich an der Studentenstadt abgestellt und fahr mit der U-Bahn nach Schwabing. Ich gurk doch nicht durch die Stadt! Das ist mir zu gefährlich. Ich glaub das immer noch, obwohl ich genau an der U-Bahn Station Studentenstadt, vor ein paar Jahren die Rolltreppe runtergekugelt bin und mir den Ellenbogen auf eine hundsgemeine Art gebrochen hab. Beim Autofahren hab ich mir noch nie was gebrochen. Trotzdem halte ich prinzipiell das Autofahren für gefährlicher, als das Rolltreppenfahren.

Wie ich hochkomm zum Parkplatz, haut mich so ein junger Mann an, ob ich wisse, wo die nächste Autobahnauffahrt sei, die am Frankfurter Ring hier sei gesperrt oder noch besser wär eine Tanke kurz vor einer Auffahrt, er wolle heut noch nach Würzburg oder ob ich wisse, wie er am schnellsten zur Raststätte Fürholzen käm, da wär ihm am meisten geholfen.

Ja, ich weiß wie er am schnellsten zur Raststätte Fürholzen kommt: Indem ich ihn dort hinfahr. Seine Augen sind verdächtig feucht und während er redet, tupft er mit einem Taschentuch immer wieder ein bisschen Feuchtes weg. Ich frag: sind sie erkältet, oder haben sie schon geweint? Da bricht er in Tränen aus. Das sei so schwer hier wegzukommen und er wolle heute noch zu seiner Mutter nach Würzburg und jetzt weiß er nicht ob er das noch schaffen kann. In der Nacht möchte er nicht mehr an der Straße stehen müssen.

Zu seiner Mutter! Nach Würzburg! Ich bin auch Mutter, ich hab auch einen Sohn, der dürfte in dem Alter sein. Wir fahren Richtung Autobahn Nürnberg. Am Neufarner Kreuz hätte ich um nach Hause zu kommen, auf die Deggendorfer müssen. Nein, ich fahr weiter und liefer kein verheultes, sondern ein strahlendes Bürscherl, an der Fürholzner Raststätte ab.

Ich fahr nicht gern Auto und auf der Autobahn schon gleich überhaupt nicht, das hab ich besonders dick. Ich schau, dass ich so schnell wie möglich von ihr runterkomm. Über Freising fahr ich heute heim, ein Riesenumweg, ein unangenehmer Umweg.
Aber mei, ich kann einfach keine Männer weinen sehn. Und hat der nicht irgendwie ein bissl meinem Sohn ähnlich gschaut? Ich mein schon, oder?


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