Tagebuch
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 12.09.2008

Wie die Zeit vergeht!

Am 13.September feiert der Christian Ude sein 15jähriges Amtsjubiläum.
Vergangenes Jahr habe ich als Paula Pirschl zum 14jährigen auf der Feierlichkeit im Schlachthof ihm zu Ehren folgende  Festrede gehalten: 

Sie, Frage: Ham Sie mei Schwester gsehn?
Oder kennt die vielleicht  jemand?
Hören tut sie auf „Chris", heißen tut sie eigentlich Christa. I moan, es is jetzt net soooo wichtig, aber sie bstellt mi extra her, die „Frau Wichtig" und dann lassts  mi da alloa in der Hölle des Löwen.

Ach, mei Entschuldigung! Jetzt hab i mi vor lauter Ding da, gar ned vorgstellt: Paula Pirschl, mein Name.

Wie, was? Wo i mei Schürzn hab?  Ja Sie san guat! I werd doch bei so einem Anlass, an einem Feiertag ned in der  Schürzn daherkemma! Jetzt sans so guat,  alles was recht is. Des is ja direkt eine Unverschämtheit. Aa, wenn i  vom Land komm, i wohn doch da - glei  hinter - -, deswegen woaß i trotzdem, was sich an so einem Tag ghört.

Moanans  i woaß net, dass des heut eine Jubiläumsfeier is?
Moanans,  mir aufm Land dean ned Fernsehschaun, oder ham no gar koan Apparat? Moanans mir ham koane Zeitunga oder ham zwar Zeitunga, aber könna ned lesn? Moanans, i bin aus Versehen da?

Doch da reg i mi jetzt scho auf, über diese herablassende Art der Münchner auf alle, die was koane Münchner ned san. Weil mei Schwester, die ist die Gleiche.  Ursprünglich kommt sie ja aa von - - aber  seits  verheirat is, wohnt sie ja in München. Und mei, jetzt könnt sie sich des gar nimmer vorstelln, wie des wär, wenn sie nicht in ihrem München wohnen tät.
Weil des werdn sie jetzt gar ned wissn, aber des „München," des ghört ja meiner Schwester, des is ja meiner Schwester „ihr München". I woaß scho, sie ham gmoant, des ghört jemand ganz andern.  Na na, des ghört meiner Schwester.  Des is  meiner Schwester ihr München: „Mei, Paula, ich kann gar ned verstehn, wie Du des  aushaltst bei euch drunten aufm Land, dieses Engstirnige und Kleinkarierte und immer die selben Gsichter. Jetzt musst mal wieder rauf zu uns kommen."
I woaß net, wo des geschrieben steht, dass mir „druntn" san und sie „drobn"?
Zu uns muaß ma runter und zu ihr rauf fahrn, vielleicht is ja aa umgekehrt?

Ja, und dass ich auch amal a bissl was mitkrieg von der Welt und ich  seh, in was für Kreise, dass sie sich bewegt, hab i heut da mit ihr auf diese Veranstaltung da komma müssn. Wollts mir imponiern.
Ja, i siegh scho, was des für Kreise san, naja!  Sie glaubns, ned dass i mi ärger, aber des regt mi scho auf, wie sie immer mit ihrm Bürgermeister ogibt, ihrm OB! Und was er ois is und was er ois kann! 

Sie hat nämlich persönliche Kontakte, weil sie hat eine Bekannte, die was eine Freundin hat, die wo mit dem Ude,  dieselbe Kosmetikerin hat! Naa, was sag i denn, dem Ude sei Frau und  ned dieselbe Kosmetikerin, sondern Fußpflegerin!
Dass i´s nomoi richtig sag: Mei Schwester hat eine Bekannte, die was eine Freundin hat, die mit dem Ude seiner Frau zur selben Fußpflegerin geht. Des hoaßt, die Fußpflegerin hat vom Bürgermeister seiner Frau zwoa Einladungskarten kriagt für die heutige Veranstaltung, hat aber selber nicht gehn könna, oder net wolln und hat diese Karten der Freundin von der Bekanntn von meiner Schwester gebn und die hat aa irgendeine  Ausrede gwusst und die Bekannte hat gsagt, gradraus gsagt, sie hat für so einen Event nicht des richtige Outfit und extra deswegn was Neues kaufen, is ihr dieser Bürgermeister ned wert und hat diese Karten meiner Schwester angebotn, verstehngans? Und die hat gsagt, ja des is ihr dieser Bürgermeister auf alle Fälle wert, weil da kennt sie nix, da fahrt sie schnell noch zum C&A oder zum H&M  nei, weil wenn die Karten scho nix kostn, kann sie sich für des Geld was sie sich da mit diese Freikarten gspart hat, kann sie sich da a bissl a Abendgarderobe kaufn.
Jetzt hat sie ja zwoa Karten ghabt und ihr Mo hat gsagt, er geht nicht mit, weil mit solcherne Feiern, da kann ma ihn jagn, wo lauter so Möchtegerne und Ichbinschonwasse sich rumtreibn und um diesen OB da rumhupfa, und dem recht schön dean. Da trinkt er lieber gmüatlich dahoam aufm Sofa a Flaschl Bier auf des Wohl von diesm OB, da hätt der mehr davo.

Außerdem hat er gsagt, er macht sich doch ned lächerlich, so wie sie für diesen Mann schwärmt, des wär scho peinlich und so wie sie sich wegn dem aufführt, wie so a Teenager, so a überreifer, und dass sie von dem a Foto im Geldbeutel drin hat, findt er scho hart an der Grenzn. Er is nicht eifersüchtig, aber falls  dieser Ude ihm auf diesem Fest vors Angesicht kommen tät, da könnt er nicht dafür garantiern, dass er sich da zamreissn könnt und diesem Ude ned, 14 Amtsjahr hin oder her,  ned glei a paar  links und rechts... oder diesen OB um sei eignes Rathaus jagt.

Sie, dann ist sie heulend zu mir grennt kemma, weil er so a ungehobelter ungebildeter Tropf is, der keinen Sinn für gar nix hat und i sollt doch mit ihr dahin und dann könnt i in die besagtn Kreise reinschnuppern. Und i brauch mir aa ned extra was kaufen, sie hat ein  ganz ein tolles Tuch beim letzten Urlaub am Strand von einem Händler sich aufschwatzn lassn, des passt zu allem, des peppt alles auf, egal was ma für einen Fetzen drunter anhat. Des verleiht allem ein gewisses Etwas und des tät sie mir leihn. 

Und jetzt  steh i da.
„Also, Paula, da kommen nur ausgsuchte, auserwählte Gäste rein, kein Gschwerl, lauter VIPs, da werst schaun Paula!"
Jaja, i schau scho.

 „Mei Paula, jetzt is er scho 14 Jahr im Amt, und die Leut ham ihn so gern, die wolln nicht, dass er geht. Ich stell ihn dir dann vor, mei da wirst schaun, wie der ausschaut, noch viel besser wie im Fernsehn oder  in der Zeitung."
I habn scho gsehn. I find ned, dass er besser ausschaut, wie in der Zeitung. Mei, er schaut aus, wie er halt ausschaut.  Er hat doch so einen Hofmaler, dieser Hanitzsch, der was ihn doch immer malt, der trifft ihn am besten, auf dem seine Bilder find i, schaut er sich eigentlich am ähnlichsten, täuschend!

„Mei Paula, wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann stell ich ihn dir vor. Paula, ich sag Dir, was dieser Mensch für die Stadt alles gmacht hat und in welche Aufsichtsrät, dass er drin sitzt und von diesem Städtetag, also von alle Bürgermeister, da ist er der Höchste und die Olympiade bringt er nach München...und hast schon mal gsehn, wenn der auf der Wiesn ozapft, mei so gut und und und ....musst amal auf dem sei Homepage schaun, da schaust."

Ja, i woaß scho, es is scho recht, i woaß scho wies den rumtreibt und wo er überall is und für wen er sich reinhängt: Da a Schirmherrschaft, dort a Grußwort! Geh, des kann a Einzelner doch gar ned schaffn. Des is bekannt, des woaß jeder, bis auf mei Schwester, dass der einen Doppelgänger hat, den was er dann einsetzt, wenn er mehrere Termine gleichzeitig hat. Da schickt er eiskalt diesn Doppelgänger. Werd meine Schwester ned wissen, aber i woaß des. Da macht er aa keinen Hehl draus, mit dem zeigt der sich öffentlich. Wie, was? Schauns, der Herr kennt den aa. Uli Bauer hoaßt er, da wissn Sie mehr wie i.

 I woaß ned, obs da noch mehr solche wie mei Schwester gibt, die was da für ihr München und für ihrn Bürgermeister direkt schwärmen und ogebn? Weil dene muass i nämlich eine Illusion raubn. Weil er, der OB is nämlich ned nur für seine Münchner da. Der führt ein Doppeleben und des kann ich beweisn.
Passens auf, letztens beim REWE an der Wurscht, hat die oane Wurschtverkäuferin, die was einem immer die Salami so dick aufschneidt, wie Wagenradl, die hat gsagt, sie habn in der Türkei Urlaub gmacht und ham einen Ausflug in die Berg gmacht. Da hat sie gmoant, sie siehgt ned richtig, hängt dieser Ude, also dieser Münchner OB, hängt der da an so einer Mehrzweckhalle, also nicht persönlich, sondern sein Konterfei in vierfacher Ausführung. Koane wollt des glaubn, „ja" hams gsagt, „mit so einem Schnurrbart, da schaut man als Türke schnell aus wie dieser Münchner OB". Aber die Wurschtverkäuferin schwört Stein und Bein, sie hat´s zuerst aa ned glaubn könna, aber es war der Ude und diese Mehrzweckhalle hoaßt aa no wie er, sagts. Der lasst sich da druntn aa feiern und beklatschn als  Bürgermeister oder Ehrenbürger, irgendwie so was, sie woaß es nicht mehr genau, auf alle Fälle irgendwas was auf türkisch, was 5 Üs drin hat und mit Pülü ogeht. Is ja wurscht, auf alle Fälle dean  die diesen Ude aa beanspruchn.

Also, des hab i meiner Schwester dann doch ned gsagt, dass ihr OB da so ein Doppelleben führt. I  wollt ihr, ihre Illusionen ned raubn, aber wenn's mi no lang ärgert und mi da wartn lasst, dann sag i ihr des. Vorstelln könnts mi diesem Ude ja trotzdem, wenn i scho moi da bin, hihihi.. Christa! Christa? Wenn du dich jetzt ned bei mir meldest, dann geh i halt selber hin zu deim OB!
Stell i mi ihm halt selber vor: Herr Ude! Herr Ude! Mei, Herr Ude, grad ham mir von ihnen gredt, dass sie so einen Erfolg ham und so beliebt sind: Alles, alles Gute weiterhin und viel Erfolg die nächstn 14 Jahr.


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