Paula Pirschl

Paula beim 68. Pflegestammtisch am 17.09.08

24.08.08

Sie, letztens hob i mi über mein Josef scho wieder so gärgert, awa Rache is Blutwurscht! I war doch am Mittwoch omd in München mit meiner Schwester bei diesem Pflegestammtisch. Meiner Schwester ihr Tochter, die is doch Altenpflegerin und die hat zu meiner Schwester gsagt, da solls higeh, weil do koma was lerna. Alloa wollts net, bin i mit ihr mit.
Sie, es stimmt, I bin jetzt gscheider. Schad, dass i des, was i da am Mitttwoch erfahrn und glernt hab, dass i des net scho letzte Woch gwußt hab! Da samma vorm REWE beinandagstandn, weil die Hölzl, die war ganz fertig. Ihr oide Mutter, die is doch im Pflegeheim und is so beinand, dass s´ scho mehrmois gmoant habn, ´s geht dahi! Jetzt wollt die Hölzl ihr Einverständnis net gebn, dass ihr oide Mutter zwangsernährt werd, so eine Magensonde kriegt. „Mei", hats gsagt, wie sie´s da hat liegn sehgn, nur mehr Haut und Knocha, hat sie sich denkt, „mei lasst sies hoid in Ruah." Aber der Arzt hat zu ihr gsagt, ob sie des verantworten mag, dass ihr Mutter verdurscht oder verhungert. Des wollts natürlich net, mit so einer Schuld leben.
Und glei heut no geh i nüwa zur Hölzl mit meiner Gscheidheit. Jetzt woaß i, dass Ärzte üblicherweis des gar net glernt haben in ihrer Ausbildung, wie ma mit Sterbenskranke umgeht. Da müssens so Sonderkurse macha, im Nachhinein, wenn's Interesse dro habn zu lerna was bei so einem Patienten nötig is und vor allen Dingen was net . Sie ein Professor Borasio hat do drüber einen Vortrag ghaltn. Wenn der moi wo redt, gengas hi! Lassens eahna durch des „Professor" ned abschrecken. Wenn i des, was der vortragn hat, kapiert hob, dann kapiern Sie des aa. Jetzda woaß i, dass des mit dieser Zwangsernährung net nur a unnötige Quälerei is, sondern sogar a medizinischer Fehler, genau so wie diese Atemmasken. Der hat von „liebevollem Unterlassen" gredt und dass diese Patienten so versorgt ghörn, medizinisch und psychisch, dass die letzten Tag oder Stunden no so lebenswert wie möglich san.
Wie i hoamkemma bin war i no so voll von dem, was i do ghört ghabt hob, wollt i mit meim Josef drüber redn, über diese Palliativmedizin, so nennt ma des nämlich, aber dieser Mensch, glaubsters naa, kein Sinn für gar nix. Guat, er war scho so im Halbschlaf, weil es is doch spät wordn, grunzt er: „ja, wenn's mit mir amoi soweit is, derfst mi scho zwangsernährn. Du woaßt ja, was für a Sortn Bier mir am liabsten is". Und da hab i mi so über dieses Mannsbuid gärgert. Immer wenn i a Thema oschneid, wo´s um Oidwerdn, Sterbn, oder Tod geht, kimmt er mit seine blöden Sprüch und Witz daher, da mog er einfach ned drüwa nachdenga und redn scho glei zwoamoi net. Der Feigling!
Aber warte, Bursche! Nächste Woch, da hat er doch Geburtsdog und da werd er schaugn, da kriegt er nämlich von mir ein Buch, was da bei diesem Stammtisch empfohlen haben. Und vorglesen kriegt er's aa no, da kenn i nix! Jeden Omd a hoibe Stund, muaß er zuahörn, sonst derf er sein Sport net schaugn. Des hab i mir nämlich gestern in meim Zorn überlegt. Der werd jetzt von mir zwangsgebildet. Und i kann eisern sei, wenn's drauf okimmt!


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